Wie groß sind die verbrannten bzw. degradierten Waldflächen weltweit?

Weltweite Waldbrände 2023–2026: Verbrannte Flächen, Emissionen und Schadstoffeintrag in die Atmosphäre

 

Wald- und Vegetationsbrände sind heute ein globaler Treiber von Klimagas-Emissionen und gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung. Das Risiko wächst nicht nur über „mehr Feuer“, sondern über eine Verschiebung der Brände in kohlenstoffreiche Ökosysteme
(Wälder, organische Böden): Dadurch können Emissionen stark ansteigen, auch wenn die weltweit verbrannte Gesamtfläche nicht im selben Maß zunimmt.

1) Weltweit verbrannte Fläche: 

Internationale wissenschaftliche Synthesen erfassen alle Vegetationsbrände (inkl. Savannen-, Grasland-, Busch- und Waldbrände),
weil sie global die größte Fläche abdecken.

Global Fire Season 2024–2025 (März 2024 bis Februar 2025):

3,7 Millionen km² verbrannt (= 370 Mio. ha)

Global freigesetzter Feuer-Kohlenstoff: 2,2 Pg C (9% über Durchschnitt)

Global Fire Season 2023–2024 (März 2023 bis Februar 2024):

3,9 Millionen km² verbrannt (= 390 Mio. ha)

Feuer-Kohlenstoff: 2,4 Pg C (16% über Durchschnitt)

Beide aufeinanderfolgenden Saisons zeigen überdurchschnittliche Emissionen bei (leicht) unterdurchschnittlicher globaler Brandfläche – ein deutlicher Hinweis, dass zunehmend dort gebrannt hat, wo pro Hektar besonders viel Kohlenstoff freigesetzt werden kann (Wälder/Feuchtgebiete).

2) Emissionen: Wie viel CO₂ gelangt durch Feuer in die Atmosphäre?

Aus den wissenschaftlich berichteten Kohlenstoffemissionen lässt sich CO₂ robust ableiten (Umrechnung: 1 t C = 3,67 t CO₂).

2023–2024: 2,4 Pg C ≈ 8,8 Gt CO₂

2024–2025: 2,2 Pg C ≈ 8,1 Gt CO₂ (Größenordnung „>8 Gt CO₂“)

Diese Emissionsmengen liegen in einer Größenordnung, die Klimapfade und nationale Klimabilanzen spürbar beeinflusst – vor allem, wenn Feuer wiederholt dieselben Regionen treffen oder in Systeme mit langsamer Regeneration (boreale Wälder, organische Böden) eindringen.

3) Schadstoffe im Rauch: Was dringt in die Atmosphäre – und warum ist es so gefährlich?

Waldbrandrauch ist ein komplexes Gemisch. Für Krisenkommunikation und Gesundheitsschutz sind besonders relevant:

A) Feinstaub (PM2,5) – der wichtigste Treiber akuter Gesundheitsfolgen

PM2,5 dringt tief in die Lunge ein, erhöht u. a. das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Für 2023 wurde eine globale mittlere zusätzliche PM2,5-Exposition durch Waldbrände von 1,32 µg/m³ geschätzt (95%-KI 0,66–1,98).

B) Kohlenmonoxid (CO) und Reiz- / Smog-Vorläufer (NOₓ, VOCs)

CO, NOₓ und VOCs werden in globalen Feuer-Emissionsdatensätzen systematisch erfasst (u. a. GFED/CAMS-Ansätze).

NOₓ und VOCs fördern die Bildung von bodennahem Ozon und sekundären Aerosolen (zusätzlicher Smog).

C) Ruß/Black Carbon & organische Aerosole

Sie beeinflussen Strahlungsbilanz, Sicht, Wolkenbildung und tragen erheblich zur Gesundheitslast bei.

Neue Forschung weist darauf hin, dass bestimmte organische Feueremissionen in Inventaren systematisch unterschätzt sein können (Größenordnung ~+21%).

Kernaussage: Waldbrandrauch ist nicht nur „Dreck in der Luft“, sondern ein medizinisch messbarer Risikofaktor – und durch Ferntransport oft grenzüberschreitend.

4) Europa als Warnsignal: Rekordjahr 2025

Europa hat 2025 eine außergewöhnliche Brandsaison erlebt. Nach EFFIS/Copernicus lagen
die kumulierten verbrannten Flächen in der EU 2025 bei rund:

1.034.552 ha verbrannt (kumulativ 2025).

Der EU-Forschungsdienst JRC meldet für die EU seit Jahresbeginn 2026 (Update 15. Januar 2026) erst 95 ha – das ist kein Entwarnungszeichen, sondern der übliche saisonale Effekt: Die Hauptgefahr folgt in vielen Regionen später.

5) 2026: Aktuelle Großereignisse zeigen die fortgesetzte Eskalationsdynamik

Auch ohne Jahresbilanz sind frühe 2026-Ereignisse bereits gravierend dokumentiert:

Chile (Januar 2026):

Reuters berichtete über mindestens 20 Todesopfer und eine verbrannte Fläche in der Größenordnung von ~20.000 ha (je nach Lagebericht/Tag variierend).

ReutersConnect nannte in einem Fotobericht ~34.000 ha verbrannte Fläche (situationsbezogene Angabe).

Australien (Januar 2026, Berichterstattung):

Carbon Brief fasst Medienberichte zu Victoria zusammen, in denen von ~400.000 ha „blackened“ die Rede ist (ereignisbezogene Angabe, nicht globale Statistik).

Waldbrände sind ein globaler Emissionsblock:
In den letzten vollständig ausgewerteten Saisons lagen Feueremissionen bei ~8–9 Gt CO₂ pro Saison.

Nicht nur Fläche zählt – der Ort zählt:
Emissionen steigen, wenn Feuer in Wälder und kohlenstoffreiche Landschaften verschoben werden, selbst bei unterdurchschnittlicher Gesamtbrandfläche.

Rauch ist eine Gesundheitskrise:
Waldbrände erhöhen die globale PM2,5-Belastung messbar (2023 global +1,32 µg/m³ im Mittel) und verursachen transnationale Luftqualitäts-Notlagen.

Europa ist betroffen:
2025 verbrannte in der EU rund 1,03 Mio. ha – ein historisch hoher Wert in der EFFIS-Systematik.

Unsicherheitsräume gehen eher nach oben:
Neue Studien deuten darauf hin, dass organische Brand-Emissionen teils unterschätzt sein können.